Technik & Lüftung 16 Min. Lesezeit

Laborabzüge im Container – Abzugstechnik, Rückhaltevermögen und DIN EN 14175

Der Laborabzug ist die wichtigste Schutzeinrichtung im Labor – und im Container zugleich der größte Energieverbraucher und der anspruchsvollste Lüftungspunkt. Dieser Leitfaden erklärt, wie ein Abzug funktioniert, was die DIN EN 14175 wirklich fordert, welche Typen es gibt und wie Abluft und Energie im Containerlabor sauber gelöst werden – mit verifizierten Normen.

16. Juni 2026 Thomas Boss, Technischer Leiter Planexus
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Kaum ein Bauteil entscheidet so unmittelbar über die Gesundheit des Laborpersonals wie der Laborabzug. Er erfasst Dämpfe, Gase und Aerosole genau dort, wo sie entstehen, und führt sie kontrolliert ab, bevor sie den Atembereich erreichen. Gleichzeitig ist er der hungrigste Verbraucher im Labor und der Punkt, an dem die gesamte Lüftungsplanung steht oder fällt. Im Laborcontainer, wo Technikfläche knapp und jeder Kubikmeter Abluft teuer ist, verzeiht ein schlecht geplanter Abzug keine Fehler.

Dieser Beitrag ordnet das Thema von Grund auf: Wie ein Abzug überhaupt schützt, was die DIN EN 14175 in ihren sieben Teilen regelt – und was sie bewusst nicht mehr vorgibt –, welche Abzugstypen es gibt, wie sich der enorme Energieverbrauch über VAV-Technik senken lässt und wie die Abluftführung im Container nach DIN 1946-7 sauber gelöst wird. Dazu die klare Trennlinie: Wir liefern den betriebsbereiten Abzug samt Lüftungstechnik – die Gefährdungsbeurteilung und die wiederkehrende Prüfung bleiben Betreiberpflicht.

Moderner Laborabzug mit teilgeöffnetem Frontschieber und Edelstahl-Arbeitsfläche in einem Laborcontainer – Abzugstechnik nach DIN EN 14175 mit kontrollierter Abluftführung
Der Laborabzug erfasst Gefahrstoffe an der Quelle: Über die Frontöffnung strömt Raumluft ein, bildet eine Luftschranke und führt Dämpfe sicher nach außen. Rückhaltevermögen, Einströmung und Abluftführung müssen exakt zusammenpassen.

Faktentabelle: Die Normen der Laborabzugstechnik

Laborabzüge bewegen sich in einem Regelwerk aus Produktnorm, Gefahrstoffrecht, Arbeitsschutz und Raumlufttechnik. Die folgende Übersicht ist die Pflichtlektüre für jede Abzugs- und Lüftungsplanung im Labor.

Bereich Norm / Vorgabe Was sie regelt
Produktnorm Abzüge DIN EN 14175 (Teile 1–7) Begriffe, Sicherheit, Typ- und Vor-Ort-Prüfung, VAV, Sonderbauformen
Alt-Abzüge (vor 2003) DIN 12924-1 / 12924-2 Allgebrauchs- und Abrauchabzüge nach altem Stand, Einströmung ≥ 0,7 m/s
Laborbetrieb (Gefahrstoffrecht) TRGS 526 „Laboratorien“ Sicheres Arbeiten, Abzugsnutzung, Prüfpflichten (Abschnitt 7.3)
Laborbetrieb (Arbeitsschutz) DGUV Information 213-850 Regelteil inhaltsgleich mit TRGS 526, mit praktischen Erläuterungen
Gefahrstoffrecht (übergeordnet) GefStoffV Wirksamkeitsprüfung techn. Schutzmaßnahmen mind. alle 3 Jahre
Raumlufttechnik Labor DIN 1946-7 RLT-Auslegung, mind. 25 m³/h je m² Laborfläche, Unterdruckhaltung
Spürgas Typprüfung DIN EN 14175-3 (SF₆) Rückhaltevermögen: innere/äußere Messebene + Robustheitstest
VAV-Abzüge DIN EN 14175-6 Variabler Volumenstrom, jährliche Prüfung der Regelstrecke

Wie ein Laborabzug schützt: das Funktionsprinzip

Ein Laborabzug – fachsprachlich auch Digestorium – ist eine halbgeschlossene Arbeitskammer mit beweglichem Frontschieber (der vertikal verfahrbaren Scheibe). Das Schutzprinzip ist einfach und genial zugleich: Über die Frontöffnung strömt Raumluft kontrolliert in die Kammer ein und bildet eine Luftschranke. Diese einströmende Luft nimmt die im Innenraum freigesetzten Dämpfe, Gase und Aerosole mit, transportiert sie nach hinten und oben zum Abluftstutzen und führt sie über den Lüftungskanal ab. Solange die Strömung stimmt und der Frontschieber niedrig steht, gelangt nichts in den Atembereich der davorstehenden Person.

Genau deshalb hängt die Schutzwirkung an zwei Größen, die man nicht verwechseln darf: dem Rückhaltevermögen (kann der Abzug die Stoffe drinnen halten?) und der Einströmgeschwindigkeit bzw. dem Abluftvolumenstrom (wie viel Luft strömt ein und wird abgeführt?). Beim Arbeiten mit flüchtigen, giftigen oder brennbaren Stoffen ist ein normgerechter Abzug nicht optional, sondern vorgeschrieben. Und er wirkt nur, wenn die nachströmende Luft im Raum auch tatsächlich verfügbar ist – ein Abzug ist immer nur so gut wie die Lüftungsanlage hinter ihm.

DIN EN 14175: die sieben Teile und was sie regeln

Die Normenreihe DIN EN 14175 „Abzüge“ ist die europäische Grundlage für Konstruktion, Qualifizierung und Betrieb von Laborabzügen. Sie hat die frühere nationale DIN 12924-1 abgelöst und gliedert sich in sieben Teile, die aufeinander aufbauen:

Teil Titel Regelungsgegenstand
Teil 1 Begriffe Einheitliche Terminologie für Hersteller, Planer und Betreiber
Teil 2 Sicherheit & Leistungsvermögen Konstruktive Mindestanforderungen, max. Arbeitsöffnung 0,5 m, Begrenzer
Teil 3 Baumusterprüfverfahren Typprüfung im Labor mit SF₆-Spürgas, Rückhaltevermögen, Robustheitstest
Teil 4 Vor-Ort-Prüfverfahren Inbetriebnahme- (Kap. 5) und Wiederholungsprüfung (Kap. 6) beim Betreiber
Teil 5 Aufstellung & Verwendung Empfehlungen zu Installation, Nutzung und sicherem Betrieb
Teil 6 VAV-Abzüge Variabler Volumenstrom abhängig von der Frontschieberstellung
Teil 7 Sonderbauformen Nicht-konventionelle Abzüge (z. B. mit Zulufteinleitung), eigene Prüfkriterien

Der entscheidende Paradigmenwechsel gegenüber der alten DIN 12924: Die DIN EN 14175 enthält keine pauschalen Richtwerte mehr für Rückhaltevermögen oder Abluftvolumenstrom. Stattdessen stellt sie ein prüfungsgestütztes System bereit – von der Baumuster- über die Vor-Ort-Prüfung bis zur wiederkehrenden Kontrolle. Der für den konkreten Einsatzfall notwendige Abluftvolumenstrom wird vom Betreiber im Rahmen seiner Gefährdungsbeurteilung eigenverantwortlich festgelegt. Das verlagert Verantwortung – und macht eine saubere Planung von Beginn an noch wichtiger.

Rückhaltevermögen und die SF₆-Typprüfung nach Teil 3

Das Rückhaltevermögen (Containment) ist die Kerngröße der Abzugssicherheit: die Fähigkeit, luftgetragene Stoffe im Innenraum zu halten. Es wird in der Baumusterprüfung nach DIN EN 14175-3 in einem speziellen Prüfraum ermittelt – mit dem Spürgas Schwefelhexafluorid (SF₆). Das Gas ist ungiftig und damit messtechnisch ideal, aber stark klimaschädlich: Sein Treibhauspotenzial liegt rund 30.000-fach über dem von CO₂. Teil 3 umfasst drei Prüfungen:

Innere Messebene. Hier wird die Rückhaltung direkt an der Arbeitsöffnung gemessen – tritt Spürgas durch die Frontebene aus? Äußere Messebene. Die Messung etwas vor dem Abzug zeigt, was tatsächlich in den Raum gelangt. Robustheitstest. Das ist die anspruchsvollste Prüfung: Zusätzlich zur Spürgasfreisetzung bewegt sich eine genormte Platte (1900 × 400 × 20 mm) mit 1 m/s am Abzug vorbei und simuliert eine zügig vorbeigehende Person. Damit wird geprüft, ob der Abzug seine Dichtheit auch dann hält, wenn die Luftströmung von außen gestört wird. Ein gut konstruierter Abzug zeigt bei innerer und äußerer Messebene praktisch null – erst der Robustheitstest trennt die Spreu vom Weizen.

Aus der Praxis: Wo Abzüge im echten Betrieb scheitern

Ein Abzug kann im Prüflabor glänzen und im Betrieb trotzdem versagen – nicht wegen des Geräts, sondern wegen der Umgebung. Die beiden häufigsten Ursachen, die ich vor Ort sehe: Erstens fehlt die Nachströmung. Wenn die Zuluft nicht nachkommt, weil der Raum zu dicht ist oder die Lüftung zu schwach ausgelegt wurde, bricht die Einströmgeschwindigkeit zusammen, egal wie gut der Abzug ist. Zweitens der offene Frontschieber: Je weiter er hochgezogen wird, desto schlechter werden Rückhaltevermögen und Robustheit – und im Dauerbetrieb steigt der Energieverbrauch massiv. Deshalb planen wir im Container die Zuluft-Kompensation und die Abluftleistung immer gemeinsam mit dem Abzug, statt den Abzug nur „anzuschließen“. — Thomas Boss

Einströmgeschwindigkeit: 0,7 m/s, 0,5 m – und warum das nicht dasselbe ist

Hier entstehen die meisten Missverständnisse. Bei Alt-Abzügen nach DIN 12924 (Fassung Januar 1978) galt ein klarer Mindestwert: Die mittlere Einströmgeschwindigkeit muss bei 100 mm geöffnetem Frontschieber mindestens 0,7 m/s betragen. Ein gemessener Wert von nur 0,5 m/s liegt darunter – der Abzug darf dann für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen nicht weiterbetrieben werden, bis die Ursache (verstopfte Filter, schwächelnder Ventilator, zu hoher Gegendruck, Leckage) behoben ist. Gemessen wird mit einem thermischen oder Flügelrad-Anemometer.

Bei modernen Abzügen nach DIN EN 14175 gibt es diesen pauschalen Geschwindigkeitswert nicht mehr – maßgeblich ist das in der Typprüfung nachgewiesene Rückhaltevermögen, der Sollwert für den Volumenstrom kommt aus der Gefährdungsbeurteilung und dem Prüfprotokoll. Und jetzt der Klassiker: Die viel zitierten 0,5 m aus der Norm beziehen sich auf die maximale Öffnungshöhe des Frontschiebers (ein – oft alarmierter – Begrenzer nach Teil 2), nicht auf die Einströmgeschwindigkeit. 0,7 m/s ist eine Geschwindigkeit, 0,5 m eine Höhe – wer das verwechselt, plant falsch.

Abzugstypen: vom Tischabzug bis zum Perchlorsäureabzug

„Der Laborabzug“ gibt es nicht – die Bauform richtet sich nach Stoffen, Apparaturen und Arbeitsweise. Die wichtigsten Typen:

Typ Merkmal Typischer Einsatz
Tischabzug (Standabzug) Arbeitsfläche ~900 mm; Breiten 1.200 / 1.500 / 1.800 mm; ~270–400 m³/h pro lfm Standard für Lösungsmittel, verdünnte Säuren und Laugen
Tiefabzug Abgesenkte Arbeitsfläche (~500 mm), mehr Innenhöhe Hohe Apparaturen, Destillationsaufbauten, Abgasleitungen
Begehbarer Abzug Arbeitsfläche auf Bodenniveau, Tiefe bis ~1.500 mm Großvolumige Anlagen, Pilotaufbauten, Destillationskolonnen
Durchreicheabzug Beidseitig bedienbar, Frontschieber auf zwei Seiten Arbeitsplätze, an denen von zwei Seiten gearbeitet wird
Flusssäureabzug (HF) HF-beständige Auskleidung (z. B. PP), korrosionsfest Arbeiten mit Flusssäure und stark aggressiven Medien
Perchlorsäureabzug Waschbar, mit Spüleinrichtung gegen explosive Perchlorat-Ablagerungen Aufschlüsse mit Perchlorsäure
Radionuklidabzug Dekontaminierbar, Filterstufen, strahlenschutzgerecht Arbeiten mit offenen radioaktiven Stoffen

Im Containerlabor ist die Typwahl eng mit dem Grundriss verbunden: Ein begehbarer Abzug braucht Höhe und stellt hohe Anforderungen an die Abluftleistung, ein Perchlorsäureabzug braucht eine Spülwasser-Infrastruktur. Wir wählen Typ, Rastermaß und Anzahl passend zur verfügbaren Abluftleistung und zur Aufstellung – damit der Abzug nicht zum Engpass der gesamten Lüftung wird.

Energie: warum ein Abzug ein kleines Kraftwerk verbraucht – und wie VAV hilft

Laborabzüge sind die größten Energieverbraucher im Labor. Ein einzelner Abzug kann bis zum 3,5-Fachen eines durchschnittlichen Einfamilienhauses verbrauchen – nicht durch das Gerät selbst, sondern durch die Luft: Zu- und Abluftventilatoren laufen permanent, und die nachströmende Außenluft muss kontinuierlich konditioniert (geheizt oder gekühlt) werden. Untersuchungen, unter anderem der Harvard University, zeigen die Dimension: Laborflächen belegen etwa ein Fünftel der Gebäudefläche, verbrauchen aber rund die Hälfte der Energie – etwa 44 % davon entfallen auf die Lüftung, maßgeblich getrieben von den Abzügen.

Der wirksamste technische Hebel ist der VAV-Abzug (Variable Air Volume) nach DIN EN 14175-6. Im Gegensatz zum konstant laufenden CAV-Abzug regelt er den Abluftvolumenstrom in Abhängigkeit von der Frontschieberstellung: Wird der Schieber gesenkt, sinkt der Volumenstrom. Bei geschlossenem Frontschieber lässt sich der Volumenstrom um etwa 50 % reduzieren, gegenüber einem CAV-System sind so bis zu 40 % Energieeinsparung möglich – bei gleichzeitig deutlich geringerem Geräuschpegel. Ergänzt wird das durch Wärmerückgewinnung in der zentralen Lüftung. Und die wirksamste Maßnahme kostet gar nichts: den Frontschieber konsequent schließen, sobald nicht am Abzug gearbeitet wird – das schützt nicht nur die Energiebilanz, sondern auch das Rückhaltevermögen.

Im Containerlabor ist dieser Hebel besonders wertvoll: Die Technikfläche ist begrenzt, jede überdimensionierte Luftmenge belastet Ventilatoren, Heizregister und Stromanschluss. Eine VAV-Regelung hält den Container energetisch beherrschbar – und ist oft die Voraussetzung dafür, dass mehrere Abzüge überhaupt mit der verfügbaren Anschlussleistung betrieben werden können. Die Wechselwirkung mit Heizung, Kühlung und Klimakonstanz vertiefen wir im Beitrag zur Klimatisierung und Lüftung im Laborcontainer.

Abluftführung im Container: über Dach, keine Umluft, DIN 1946-7

Was am Abzug erfasst wird, muss sicher nach draußen. Die eiserne Regel: Laborabluft aus Abzügen darf nicht im Umluftbetrieb geführt werden. Eine Rezirkulation in den Raum ist bei Gefahrstoffen unzulässig, weil die Schadstoffkonzentration nicht zuverlässig auf ungefährliche Werte gereinigt werden kann. Standard ist die Ableitung über Dach (senkrechter Ausblas): Durch thermischen Auftrieb und die vertikale Anordnung wird die Abluft ausreichend verdünnt, und ein Wiedereintritt in Fenster, Türen oder Zuluftöffnungen wird vermieden. Außerdem muss die Abluft permanent erfolgen – auch außerhalb der Betriebszeiten, damit nichts entweicht.

Die DIN 1946-7 regelt die Raumlufttechnik für Laboratorien. Die Anlage ist so auszulegen, dass pro Quadratmeter Laborgrundfläche ein Abluftvolumenstrom von mindestens 25 m³/h nicht unterschritten wird; bei Arbeiten mit sehr gefährlichen Substanzen entsprechend mehr. Damit Gefahrstoffe nicht in benachbarte Bereiche wandern, wird das Labor zudem im Unterdruck zur Umgebung gehalten. Im Container heißt das konkret: ein Abluftsystem mit Dachaustritt, eine darauf abgestimmte Zuluft-Nachströmung, eine Unterdruckhaltung und – je nach Anforderung – ein redundanter Ventilator, damit der Schutz auch bei Ausfall nicht zusammenbricht. Brandschutzklappen in den Abluftkanälen und die Abstimmung mit dem Brandschutzkonzept gehören dazu; das vertiefen wir im Beitrag zum Brandschutz im Laborcontainer.

Prüfung und Betrieb: TRGS 526, jährlich, befähigte Person

Ein Abzug ist kein „einbauen und vergessen“-Gerät. Nach TRGS 526 (Abschnitt 7.3) und der inhaltsgleichen DGUV Information 213-850 müssen Abzüge regelmäßig gewartet, ihre Funktionsfähigkeit geprüft und das Ergebnis dokumentiert werden – mindestens einmal jährlich durch eine befähigte Person. Übergeordnet verlangt die Gefahrstoffverordnung, dass der Arbeitgeber die Wirksamkeit technischer Schutzmaßnahmen mindestens jedes dritte Jahr überprüft; Art, Umfang und Fristen legt er auf Basis der Gefährdungsbeurteilung fest und dokumentiert sie.

Geprüft werden insbesondere die Einströmgeschwindigkeit beziehungsweise der Volumenstrom, die Funktion der Strömungsüberwachung und des Alarmgebers, die Frontschiebermechanik und der bauliche Zustand. Bei VAV-Abzügen kommt die jährliche Prüfung der Regelstrecke nach Teil 6 hinzu. Hier verläuft die klare Trennlinie: Wir liefern den Abzug betriebsbereit, inklusive Inbetriebnahmeprüfung – die wiederkehrende jährliche Prüfung und die Gefährdungsbeurteilung organisiert der Betreiber. Diese Aufgabenverteilung benennen wir von Anfang an, damit keine Lücke entsteht.

Fazit: Der Abzug ist ein Systembauteil, kein Möbelstück

Ein Laborabzug schützt nur, wenn alles zusammenpasst: ein baumustergeprüftes Gerät mit nachgewiesenem Rückhaltevermögen, eine Lüftung, die die nötige Luft auch nachliefert, eine Abluftführung über Dach ohne Umluft, eine VAV-Regelung, die den Energiehunger bändigt, und eine wiederkehrende Prüfung, die die Funktion über Jahre sichert. Der Abzug ist damit kein Möbelstück, das man irgendwo hinstellt, sondern ein Systembauteil, das von der ersten Planungsphase an mitgedacht werden muss – im Containerlabor mehr noch als im klassischen Bau, weil hier Fläche und Anschlussleistung knapp sind.

Weil unsere Laborcontainer ab Werk Albstadt mit abgestimmter Lüftungstechnik, Dachaustritt, Zuluft-Kompensation und vorbereiteten Medienanschlüssen geliefert werden, lässt sich die Abzugstechnik sauber integrieren – mit dokumentierter Inbetriebnahme und einer klaren Verantwortungskette. Unsere Planungs- und Engineering-Leistung umfasst die Auslegung von Abzügen, Abluft und Raumlufttechnik aus einer Hand. Wie der gesamte Weg von der Idee bis zur Übergabe abläuft, zeigt der Beitrag zum Projektablauf.

Abzüge und Laborlüftung von Anfang an richtig planen?

Wir legen Abzugstyp, Rückhaltevermögen, Abluftführung über Dach und VAV-Energiekonzept gemeinsam aus – betriebsbereit geliefert, mit Inbetriebnahmeprüfung und klarer Verantwortungskette.

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Häufig gestellte Fragen zu Laborabzügen und DIN EN 14175

Welche Norm regelt Laborabzüge?
Die maßgebliche Norm ist die Reihe DIN EN 14175 „Abzüge“, die die frühere DIN 12924-1 abgelöst hat. Sie besteht aus sieben Teilen: Begriffe (1), Sicherheit & Leistungsvermögen (2), Baumusterprüfung mit SF₆ (3), Vor-Ort-Prüfung (4), Aufstellung & Verwendung (5), VAV-Abzüge (6) und Sonderbauformen (7). Wichtig: Die Norm legt keine festen Richtwerte für Rückhaltevermögen oder Volumenstrom mehr fest – diese bestimmt der Betreiber per Gefährdungsbeurteilung. Ergänzend gelten TRGS 526, DGUV 213-850 und für die Raumlufttechnik die DIN 1946-7. Vor 2003 installierte Abzüge unterliegen weiter der DIN 12924-1/-2.
Wie hoch muss die Einströmgeschwindigkeit sein?
Bei Alt-Abzügen nach DIN 12924 (Januar 1978) muss die mittlere Einströmgeschwindigkeit bei 100 mm geöffnetem Frontschieber mindestens 0,7 m/s betragen – 0,5 m/s reicht nicht. Bei modernen Abzügen nach DIN EN 14175 gibt es keinen pauschalen Wert mehr; maßgeblich ist das geprüfte Rückhaltevermögen, der Volumenstrom kommt aus der Gefährdungsbeurteilung. Gemessen wird mit thermischem oder Flügelrad-Anemometer. Achtung: Die 0,5 m aus der Norm sind die maximale Öffnungshöhe des Frontschiebers, nicht die Geschwindigkeit.
Was ist das Rückhaltevermögen und wie wird es geprüft?
Das Rückhaltevermögen (Containment) ist die Fähigkeit, Stoffe im Abzugsinnenraum zu halten. Geprüft wird es in der Baumusterprüfung nach DIN EN 14175-3 mit dem Spürgas SF₆ (ungiftig, aber rund 30.000-fach klimaschädlicher als CO₂). Drei Messungen: innere Messebene (an der Arbeitsöffnung), äußere Messebene und Robustheitstest – dabei fährt eine genormte Platte (1900 × 400 × 20 mm) mit 1 m/s vorbei und simuliert eine vorbeigehende Person. Im Betrieb prüft die Vor-Ort-Messung nach Teil 4 die Funktion am aufgestellten Gerät.
Wie oft muss ein Laborabzug geprüft werden?
Nach TRGS 526 (Abschnitt 7.3) und der inhaltsgleichen DGUV Information 213-850 müssen Abzüge regelmäßig gewartet, geprüft und dokumentiert werden – mindestens jährlich durch eine befähigte Person. Übergeordnet fordert die GefStoffV die Wirksamkeitsprüfung technischer Schutzmaßnahmen mindestens alle drei Jahre. Geprüft werden u. a. Einströmung/Volumenstrom, Strömungsüberwachung, Alarmgeber und Frontschiebermechanik; bei VAV-Abzügen zusätzlich die Regelstrecke (Teil 6). Die wiederkehrende Prüfung ist Betreiberpflicht.
Welche Abzugstypen gibt es?
Am häufigsten der Tischabzug (Arbeitsfläche ~900 mm, Breiten 1.200/1.500/1.800 mm, ~270–400 m³/h pro lfm). Der Tiefabzug hat eine abgesenkte Arbeitsfläche für hohe Apparaturen, der begehbare Abzug die Arbeitsfläche auf Bodenniveau für Pilotaufbauten. Dazu Durchreicheabzüge und Sonderbauformen für aggressive Medien: Flusssäureabzüge (HF-beständig), waschbare Perchlorsäureabzüge mit Spüleinrichtung und Radionuklidabzüge. Die Wahl richtet sich nach Stoffen, Apparaturen und verfügbarer Abluftleistung.
Warum ist Umluftbetrieb der Laborabluft nicht zulässig?
Weil die Schadstoffkonzentration in der Laborabluft nicht zuverlässig auf ungefährliche Werte gereinigt werden kann. Abluft aus Abzügen muss deshalb ins Freie abgeführt werden – Rezirkulation in den Raum ist bei Gefahrstoffen unzulässig. Standard ist die Ableitung über Dach: thermischer Auftrieb und vertikaler Ausblas sorgen für Verdünnung und verhindern den Wiedereintritt in Fenster und Zuluftöffnungen. Die Abluft läuft permanent, auch außerhalb der Betriebszeit. Nach DIN 1946-7 gilt ein Mindest-Abluftvolumenstrom von 25 m³/h je m² Laborfläche, bei sehr gefährlichen Stoffen mehr.
Wie senkt man den Energieverbrauch eines Laborabzugs?
Ein Abzug kann bis zum 3,5-Fachen eines Einfamilienhauses verbrauchen, weil ständig Luft abgeführt und die Zuluft konditioniert wird. Wirksamster Hebel: ein VAV-Abzug (DIN EN 14175-6), der den Volumenstrom nach Frontschieberstellung regelt. Bei geschlossenem Schieber sinkt der Volumenstrom um rund 50 %, gegenüber CAV sind bis zu 40 % Energieeinsparung möglich. Dazu Wärmerückgewinnung in der Zentrallüftung – und die einfachste Maßnahme: den Frontschieber konsequent schließen. Im kompakten Containerlabor mit begrenzter Anschlussleistung ist VAV besonders sinnvoll.